Mittwoch, den 25. Januar 2012 um 22:13 Uhr

 

Von der Muse zur Märtyrerin


Jane Birkin lud ins Kaufleuten und nahm den Konzertbesucher mit auf eine Reise zwischen Nostalgie und Wohlfahrt - im Gepäck Gainsbourg und vier Japaner.

Vanessa Sadecky

Über vierzig Jahre ist es her, seit sich Jane Birkin und Serge Gainsbourg mit ihrem Skandalduett „Je t’aime, moi non plus...“ auf den Index und an die Spitze der Hitparaden stöhnten.

Dieser Song legte den Grundstein zur Liebe und musikalischen Abhängigkeit der androgynen Stilikone und dem Enfant terrible, welche ihre Scheidung und Serges Tod 1991 überdauern würden.

So hat es sich Frankreichs liebste Britin zur Aufgabe gemacht, das sonore Erbe ihres Ex-Mannes in die Welt hinauszutragen und so zu konservieren.  Auf ihrer diesjährigen Tour hat sie sich dazu die Unterstützung von vier japanischen Instrumentalisten geholt, die ihre Gainsbourg-Chansons mit Klavier, Schlagzeug, Trompete und Geige begleiten. Kennengelernt hatte sie das Quartett anlässlich eines Benefizkonzerts, welches sie zum Gendenken der Fukushima-Opfer gab. Die Sammelbüchse war auch an diesem Abend mit dabei, Birkin hielt das Publikum an, für ein japanisches Kinderhilfsprojekt zu spenden.

Trotz ihrer 65 Jahre konnte sich Birkin ihren mädchenhaften Charme bewahren, offensichtlich äusserlich, aber auch in der Darbietung ihrer Chansons war ihr Elan spürbar. Im schlichten weissen Hemd und schwarzen Kummerbundhosen glitt sie über die Bühne und flötete mal mit Leichtigkeit, mal voller Melancholie ihre Stücke und erläuterte dazwischen deren Geschichte, deren gemeinsamer Nenner immer auf Gainsbourg zu stehen kam.

Nur auf einen Höhepunkt mussten die Fans verzichten,  „Je t’aime, moi non plus...“ stand an diesem Abend nicht auf dem Programm. Schade, dass ihr der Mut zur Neu-Interpretation durch ihr Ensemble fehlte.