Donnerstag, den 08. Dezember 2011 um 23:13 Uhr

 

Von den Socken: Cabaret mit Camille


 

Die französische Stimmakrobatin zog im Kaufleuten mit ihrem durchgedrehten Performance-Pop alle Register.

von Vanessa Sadecky

Exzentrisch, aber genial wie simpel, hielt Mademoiselle ihren Einzug auf die stockfinstere Bühne: Ein Bettlaken über dem Kopf und eine Glühbirne in den Händen genügten, und fertig war die Lichtgestalt, die das Publikum in stilles Staunen versetzte.

Nachdem das Laken gefallen war und Camille enthüllte, folgten auf den Sprechgesang von „Aujoud'hui", von Kontrabass und Geige begleitet, akustische Stücke, zu denen sie die, nun von der Decke baumelnde, Glühlampe anschubste und ein schauerliches Schattenspiel auf die Wandkulisse warf, die sie zur Belustigung des Publikums mit eigenen Schattenfiguren ergänzte.
Ihr Auftritt kitzelte vielerlei Nerven; mal performte sie regungslos daliegend, wie bei der Ballade „Wet Boy", dann sang sie den verspielten Scat zu „Bubble Lady" in Mitten von Seifenblasen, Brust an Brust mit ihrem Background-Sänger oder gab tanzend und zwischen drei Stimmlagen wechselnd „My Man Is Married But Not To Me" mit wütender Ironie zum Besten.

Der zweite Part ihrer Darbietung forderte auch den Zuschauer, Unbekannte wurden auf der Bühne zu den Chanson-Klängen von „La France – Des Photocopies" zum Walzertanzen vereint, das französische ABC wurde, neben Urwaldgeräuschen lauthals geübt und da Camilles Moonwalk ihr barfuss Schwierigkeiten bereitete, durfte das Publikum mit vorgewärmten Socken aushelfen.

Bei all dem sympathischen Schabernack den die 33-jährige Pariserin trieb, hätte man ihr sogar den einen oder anderen stimmlichen Patzer verziehen, doch ihre gesangliche Leistung war makellos, ihren Ruf als fleischgewordenes Perkussions-Instrument wird sie alle Mal gerecht - ihr zweites Konzert im Kaufleuten war ein voller Erfolg.